Wie habt ihr in PODS den Kulturwandel integriert?

Der Ursprung unserer Spielidee war die Absicht, das exponentielle Wachstum der Industriegesellschaft zu verstehen, um daraus Hinweise für die Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels zu gewinnen. Unsere Vermutung ist, dass unsere Wissenskultur trotz der vielen Erkenntnisse, die sie bietet, dem Wandel von der Industriegesellschaft wie wir sie kennen in eine nachhaltige Gesellschaft an vielen Stellen im Wege steht.

Einen wichtigen Hinweis dafür haben wir durch ein Video von Al Bartlett gewonnen. Wir drei kannten das Problem des exponentiellen Wachstums und haben uns mit der Umsetzung von Dynamiken in Theorien und Modellen befasst. Aber für uns war die bildliche und anschauliche Erklärung des exponentiellen Wachstums ein verblüffendes Erlebnis, das uns anhaltend beeinflusst hat. Spiele bieten nochmals andersartige Erlebnisse und so entstand die Spielidee zu Peak Oil. Das Spiel!

Mit anderen Worten: das Spiel selbst soll unser Beitrag zum Kulturwandel sein.

Der zweite Punkt betrifft unsere Kenntnis des Themas Peak Oil und dessen Dynamik. Selbst vielen, die von der Endlichkeit des Öls wissen, ist Peak Oil unbekannt und viele, die von Peak Oil wissen, wissen nicht viel vom Problem der Dynamik. Aber Wissen ist wesentlich für den Beginn eines Kulturwandels. Zudem ist Peak Oil ein Ereignis, das sich nur in einer Industriegesellschaft ereignen kann. Um zu verstehen, wie es zu Peak Oil kam und kommen konnte, welche Strukturen dahin geführt haben und unseren Weg leiten und prägen, haben wir diese getreu unserem Motto spielecht umgesetzt.

Der zweite Teil unserer Antwort ist: der Kulturwandel beginnt mit dem Verstehen.

Die Umsetzung eines Themas in einem Spiel bietet insbesondere drei Gestaltungsmöglichkeiten: die Story, die Spielmaterialien und die Spielmechanismen.

Die Story orientiert sich an Grundstrukturen moderner Industriegesellschaften, der Existenz von Industriekonzernen, und den im Zusammenhang mit Peak Oil wichtigsten Industriezweigen, der Öl- und der Mobilitätswirtschaft.

Die Spielmechanismen sollten sowohl das spielechte Modellieren der Wirtschaftsmechanismen umsetzen als auch ausreichend Offenheit für einen Kultur- und Wertewandel der Spieler zulassen. Die „ethischen“ Hauptstrategien in Spielen sind das Konkurrenz- und das Kooperationsprinzip. Beide Prinzipien sind in Peak Oil. Das Spiel! möglich und beide haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Jeder Spieler kann so spielen, wie er will. Der zweite ethische Punkt, der im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit wichtig ist, ist die Frage nach der Genügsamkeit oder der Suffizienz (Suffizienz ist die dritte Nachhaltigkeitsstrategie nach Effizienz und Konsistenz). Auch diese kann in Peak Oil. Das Spiel praktiziert werden, allerdings hat das wie im echten Leben Konsequenzen.

Im Spielmaterial ist insbesondere die Technik als Teil der Kultur dargestellt. Alternativen im Bereich der materiellen Kultur werden über Elektromobilität, Schienenmobilität und Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien möglich. Aktivitäten der materiellen Selbstversorgung (Subsistenz), die in alternativen Wirtschaftskonzepten vorgeschlagen werden, begrüßen wir, aber wir haben sie im Spiel nicht integriert.

Unser Spiel ist kein Spiel von Allem. Die spielechte Gestaltung und Abstimmung der Story, der Mechanismen und der Materialien war für uns eine große Herausforderung, bei der wir viel gelernt und erlebt haben, die uns aber aufgrund der Komplexität der systemischen und dynamischen Strukturen immer wieder über die Grenzen des in der Art und Weise des Brett- oder Gesellschaftsspiels mach- und spielbaren geführt hat. Auch das Verständnis der Zusammenhänge wird mit zunehmender Komplexität immer komplizierter. Eine ähnlich abgestimmte Integration weiterer Aspekte des Themas Kultur- und Wertewandel wäre nicht möglich gewesen. Wer Ideen für die Integration derselben in Erweiterungen oder neuen Spielen hat, kann sich gerne mit einem Prototypen an uns wenden.

In der Erweiterung Ereigniskarten werden soziale und alternative Bewegungen, immaterielle Konsumpräferenzen und Konzepte der sogenannten Share Economy als exogene Einflüsse aus der Umwelt des Unternehmens auf diese integriert.

Wir sind der Meinung, dass soziale und alternative Bewegungen, dass eine Kultur- und Wertewandel ein wichtiger Beitrag der Ölzeit im Wandel ist. Ein interner Wandel der Industrie der Industriegesellschaft wird gleichfalls wichtig sein. Wir bevorzugen im Übergang überwiegend eine Kultur des Sowohl-als-Auch und nicht nur eine Kultur des Entweder-Oder.

Peak Oil. Das Spiel! verstehen wir als einen „Netzwerkknoten“ oder ein „Bindeglied“ („missing link“). Peak Oil. Das Spiel! macht auf das Thema aufmerksam, es bringt Menschen zusammen, macht Spaß, regt zu neuen Gedanken, Gefühlen und Gesprächen an. Es verbindet Erkenntnisse der Wissenschaften, Erfahrungen aus Praxen und Erlebnisse von Menschen. Darüber hinaus vermitteln wir auf unserer Seite auf weitere Seiten und Akteure, die wir kennen und die unserer Meinung nach einen wichtigen Beitrag dafür leisten, dass die Ölzeit im Wandel einen Wandel in eine gute Zukunft für uns alle nimmt.

Links

Video eines Vortrages über Transformationsdesign
von Harald  Welzer

www.transition-initiativen.de
Netzwerk- und Kommunikationsforum der Bewegung Transition Town (TT)/ Stadt im Wandel in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Initiiert von Rob Hopkins, nachdem er 2004 von Peak Oil gelesen hatte.

weitere FAQ

 

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