Die abiotische Öltheorie: Bedeutung für Peak Oil

Gesetzt den Fall, Öl entsteht fortwährend im Erdinnern. Was bedeutet das für Peak Oil?

Bei den Recherchen zum Spiel sind wir auf eine Theorie gestoßen, die die Ölentstehung als einen geologischen Prozess beschreibt, die sogenannte abiotische Öltheorie. Die Frage ist, wieviel Öl muss nachfließen, damit Peak Oil keine Rolle mehr spielt? Und: Gibt es Anzeichen dafür?

Kann die benötigte jährliche Ölmenge entstehen?

Nehmen wir an, wir könnten das Ölzeitalter so weiterleben ohne uns auf die eine oder andere Art dabei zu vergiften. Nehmen wir außerdem an, wir schwören dem Wachstumsparadigma ab und wollen auch in Zukunft nur soviel verbrauchen wie heute, dann werden jährlich etwa 35 Mrd. Barrel benötigt. Das ist ein Volumen, das 3/4 des Bodensees entspricht. Über den ganzen Globus verteilt, könnte ich mir das durchaus vorstellen – nur muss es für uns auch abschöpfbar sein, das heißt sich sammeln. Und damit sind wir bei den Ölfeldern:

Ölfelder, die sich auffüllen?

Es munkelt im Netz, dass sich einige russische Ölfelder wieder auffüllen. Die veröffentlichten Förderverläufe diverser Ölfelder deuten allerdings deutlich auf ein Erschöpfen der einzelnen Felder hin.
Es gibt ein Argument, dass der Ölfluss bestehender Bohrungen zurückgehen kann, auch wenn noch genügend Öl vorhanden ist: Indem der Zulauf verstopft. Die Frage ist also: Wird bei der Beurteilung der Felder der möglichen Verstopfung Rechnung getragen, oder werden Förderrückgänge pauschal auf ein Erschöpfen des Feldes zurückgeführt.

Neufunde?

Es kann auch sein, dass an manchen Stellen noch nicht nach Öl gesucht worden ist, weil es nach der organischen Öltheorie dort nicht liegen kann. Dazu haben wir keine belastbaren Aussagen gefunden. Es gibt die Aussage, dass die Erde weitgehend erkundet worden ist. Eine Zusammenstellung Wer wo nach welchen Kriterien gesucht und gebohrt hat haben wir noch nicht gesehen. Sie wäre sehr hilfreich, um abschätzen zu können, ob Potential für Neufunde vorhanden ist.

Gezielte Unterdrückung?

Es besteht auch die Möglichkeit, dass das Wissen um neu entstehendes Öl klein gehalten wird, und die weltweite Förderung so manipuliert wird, dass sie zur Peak Oil Theorie passt. Sollte dem so sein, ziehe ich den Hut vor soviel Manipulationsvermögen.

Schlussfolgerung

Das Öl ist entweder nicht da, oder die Ölindustrie weiß nicht wo sie suchen muss, oder es wird uns vorenthalten. Ein Umstieg unserer Energieversorgung scheint uns deshalb sinnvoll.

 

Links

Zillmer: Prüfsteine für die Öltheorien

Prüfsteine für die abiotische Theorie
Post on TheOilDrum.com, 5. Kommentar.

Einige Argumente für und gegen die abiotische Ölentstehung werden auch in der Diskussion zu folgendem Artikel ausgetauscht
oil-and-gas-limits-underly-syrias-conflict (Blog: our finite world)
Suche auf der Seite nach „not finite“.

Entspringt Erdöl in der Erdkruste?
H.-P. Schachler auf focus.de (2009)

 

Das könnte Dich auch interessieren
Sammlung Weitere Energiequellen

 

Meine Wette

Momentan, Januar 2015, wette ich, Michael Rumpelt, wie folgt:

  • Die Abläufe im Kosmos und auf der Erde sind andere, als in der Schulbildung des 20 Jh. gelehrt. Die wirtschaftlich interessante Menge des Erdöls ist trotzdem biotisch.

Ich komme drauf, weil:

  • Die Art der Darstellung bei Zillmer, wie er fragt, wie er viele Beobachtungen anführt, nehme ich als aktiv neugierig suchend und gut informiert und logisch schlüssig war, soweit das für einen Einzelkämpfer möglich ist. Seine Sicht der Welt als Entwicklung in Sprüngen versus die Sicht der Welt als eine langsame stetige Evolution erinnert mich an das Marktkreuz in den Wirtschaftswissenschaften. Die Analyse mit dem Marktkreuz suggeriert auch eine stetige Entwicklung mit kleinen Verschiebungen. Eine dynamische Betrachtung zeigt jedoch, dass es Sprungstellen geben kann, an denen sich der Preis auf dem Markt sprunghaft ändert. Insofern vermute ich, dass die Theorien mit stetigen Anpassungsbeschreibungen eher den Vorstellungsvermögen der Menschen des 20Jh. entsprechen als den Entwicklungen, die sie zu beschreiben vorgeben.
  • Die C12 zu C13 Konzentration in Erdöl scheint mir ersteinmal für Öl biologischen Ursprungs zu sprechen.
  • Wenn Öl in nennenswertem Umfang nachfließt, dann müsste das auch über die letzten Jahrtausende geflossen sein. Wohin? Vielleicht verstoffwechselt. Nur wenn es an der Erdoberfläche verstoffwechselt wird, dann muss es erst nach oben kommen – und zu sehen sein. Oder es wird in der Tiefe verstoffwechselt, dann müssten Stoffwechselprodukte zu finden sein.

Als potentiell eindeutige aber noch nicht dingfeste Argumente erachte ich:

  • Es wird argumentiert, dass es gar nicht soviel Biomasse hat geben können, um das Erdöl entstehen zu lassen. Wir haben etwa 4x den Bodensee an Öl verbraucht. Das macht auf mich nicht den Eindruck, als wäre die Menge  unmöglich mit Biomasse zu erreichen?!
  • Es gibt wohl typische Inhaltsstoffe biogenen Ursprungs in den Ölen, die angeblich zur jeweiligen Entstehungsgeschichte des umliegenden Sediments passen (Stoffe maritimer Lebewesen, Stoffe von Landlebewesen). Zu dem Punkt habe ich allerdings Klärungsbedarf, weil Zillmer berichtet, dass im Nahen Osten dieselbe Ölcharakteristik in sehr unterschiedlichen Sedimenten anzutreffen ist.
  • Wenn Erdöl abiotisch in der Tiefe entsteht, dann muss es auf dem Weg an die Erdobfläche auch durch die Zone von etwa 10km Tiefe hindurch. Dort sind die Temperatur- und Druckverhältnisse so, dass sich das Erdöl (tendenziell/immer?) zu Methan zerlegt. Stimmt das?
  • Es mag sein, dass die Ölkonzerne auch inklusive der staatseigenen gefälschte oder falsch interpretierte Förderdaten veröffentlichen. Aber dass sich kein kleiner Ölbesitzer oder Geologe meldet und von reichlich Öl berichtet, lege ich momentan so aus, dass Öl knapper wird.

 

 

Follow by Email
RSS
SOCIALICON
SOCIALICON