Die abiotische Öltheorie: Prüfsteine von Zillmer

Argumente für eine abiotische Ölentstehung in der Tiefe der Erde von H.J. Zillmer

Im Internet findet sich die eine oder andere Aussage zu einer abiotischen Öltheorie. Die Argumente sind verstreut und ergeben zumindest beim Vorüberklicken kein überzeugendes Bild (auf www.peak-oil.com sind weitere Infos zur abiotischen Öltheorie zu lesen). Wir sind den Hinweisen auf eine abiotische Öltheorie trotzdem nachgegangen, um zu überprüfen, ob dieser erste Eindruck sachliche Gründe hat, oder eher dem menschlichen Wahrnehmungszirkel zuzuschreiben ist.

Der Wahrnehmungszirkel besteht darin, dass Menschen tendenziell das wahrnehmen, was sie kennen. Diese Wahrnehmung werten sie dann schnell als Bestätigung ihrer Sichtweise, was dann die weitere Wahrnehmung weiter in die schon bekannte Richtung lenkt. Um aus diesem Wahrnehmungszirkel auszusteigen, kann man aktiv nach Sichtweisen suchen, die nicht ins eigene Weltbild passen, und diese untersuchen.

Um dem Wahrnehmungszirkel ein Schnippchen zu schlagen, habe ich (M.R.) mir ein Buch zur abiotischen Öltheorie besorgt. Es handelt sich um das Buch „Der Energie-Irrtum, warum Erdgas und Erdöl unerschöpflich sind“ von H.-J. Zillmer, München 2009. Erwartet hatte ich ein Buch, in dem oberflächlich fabulierend um die Grenzen des irdischen Lebens herumgeredet wird. Stattdessen findet sich in dem Buch eine detailreiche und beobachtungsbezoge Sicht auf die Entwicklung der Erde, die sich gleich in mehrfacher Hinsicht von der bisher gängigen Sicht auf die Erde unterscheidet.

 

Skizze der abiotischen Öltheorie

In einer bestimmten Tiefe der Erde entstehen neue Elemente. Die dazu notwendige Energie kommt auf elektrischem Weg aus dem Sonnensystem. Leichte Elemente wie Wasserstoff und Helium entstehen häufiger als schwere. Diese Elemente diffundieren nun nach oben. Unter Druck reagieren einige der Elemente zu Kohlenwasserstoffen, also Methan, Erdgas und Erdöl. Diese Stoffe diffundieren weiter nach oben. Unter undurchlässigen Gesteinsschichten sammeln sie sich an. So entstehen die Öllagerstätten. Sofern das Methan langsam nach oben diffundiert und mit Sauerstoff reagieren kann, bilden sich Kohlendioxid und Wasser. Ansonsten bildet das Methan Methaneis oder gast direkt aus.

 

Angegebene Prüfsteine

In dem Buch werden eine ganze Reihe von Beobachtungen benannt. Im Folgenden eine Auflistung von Bebachtungen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Öl stehen.

  • (1) Methan und andere Kohlenwasserstoffe werden auch auf anderen Planeten des Sonnensystems beobachtet. Entweder gibt es dort Leben oder Kohlenwasserstoffe entstehen auch abiotisch. (S. 7)
  • (2) In vielen Kohleflözen findet man am Boden und an der Decke Trittsiegel von Dinosauriern. Die sollen aber erst nach der Entstehungszeit der Steinkohle gelebt haben. (S. 9f)
  • (3) Die Trittsiegel müssten die Pressung beim Kohleentstehungsprozess unverformt überstanden haben. (S. 13)
  • (4) Kohle und Erdöl enthalten relativ viel Uran. Wo kommt das her? (S. 14)
  • (5) Aus Kohleflözen diffundiert oft Methan. Müsste das nach Jahrmillionen nicht schon ausgegast sein? (S. 14)
  • (6) Bei einer Bohrung 1983 konnte Methan, Teer und Öle im schwedischen Granitsockel nachgewiesen werden, das nach oben wandert. (S. 44)
  • (7) Die obere Erdkruste besteht zu einem großen Teil aus Olivin. Die elektrische Leitfähigkeit der oberen Erdkruste passt jedoch nicht zur Leitfähigkeit von Olivin. Unter Druck stehende Kohlenwasserstoffe im Gestein können die Leitfähigkeit erklären. (S. 85)
  • (8) Vulkane stoßen auch riesige Wolken aus Wasserdampf aus. (S. 237)
  • (9) In Bohrkernen großer Tiefe konnten in den letzen Jahren lebende Mikroben entdeckt werden (S. 241). Die organischen Bruchstücke im Öl können deshalb als von heute lebender Mikroben erklärt werden und brauchen keine fossilen Überbleibsel darstellen.
  • (10) Anorganisch lässt sich Erdöl unter Drücken herstellen, die im Sockelgestein vorliegen. Die Umwandlung von organischen Material mit Drücken, die in Sedimentgesteinen vorliegen, ist noch nicht gelungen. (S. 246)
  • (11) Erdöl kommt auch in den Schichten unterhalb der Erdölvorkommen vor. (S. 247)
  • (12) Helium ist geeignet Öllagerstätten und Kohleflöze aufzuspüren. Wie kommt es in diese Lagerstätten wenn nicht gemeinsam mit ihnen von unten? (S. 252)
  • (13) Öllagerstätten füllen sich wieder auf (S. 256, keine weitere Angaben)
  • (14) Ölfelder konzentrieren sich beispielsweise von der Südseite der Türkei bis zum persischen Golf, obwohl sie in sehr unterschiedlichen geologischen Formationen lagern und sich entsprechend zu anderen Zeiten entwickelt haben sollen. (S. 161)
  • (15) Die Ölfelder in der Golfregion haben eine einheitliche chemische Charakteristik, obwohl sie sich in unterschiedlichen geologischen Formationen befinden. (S. 162)
  • (16) Die Sedimentschichten in der Golfregion sind zu klein, für die Bildung der großen Ölvorkommen. (S. 162)
  • (17) Die schwersten Öl liegen oben auf. Das lässt sich mit dem Aufstieg des Öls und den Wechselwirkungen mit dem Gestein erklären (S. 279)
  • (18) Es gibt oft Steinkohle über Erdöl. Mit der Aufstieg der Kohlenwasserstoffe aus dem Erdinnern ist das plausibel. Nach der Fossiltheorie müssten jeweils erst Meeresplanzen und dann Landpflanzen umgewandelt worden sein. (S. 280)
  • (19) Es lassen sich Zwischenstadien zwischen Torf und Braunkohle finden, aber keine Zwischenstadien zwischen Braunkohle und Steinkohle. (S. 281)

 

Plausibilitätscheck

Zillmer führt eine Fülle von potentiell überprüfbaren Beobachtungen an. Da wir selbst keine Geologen sind, haben wir selbst keinen Zugang zu eigenen Beobachtungen und haben auch keinen Überblick über die Datenlage insgesamt. Damit Zillmers Argumente für ein abiotisches Öl ein schlüssiges Bild ergeben, sind allerdings weite Teile des gegenwärtigen Weltbildes zu überdenken. Dies kommt nach unserer Einschätzung durchaus in Frage. In den Bereichen in denen wir uns auskennen, wie beispielsweise den Wirtschaftswissenschaften, stehen ähnliche Änderungen des Paradigmas an.

 

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9 Gedanken zu „Die abiotische Öltheorie: Prüfsteine von Zillmer“

  1. Der Link zu den Bosnischen Pyramiden führt zu einer gelöschten Seite. Man muss gar nicht zu Skurrilitäten greifen, um sich zum Umdenken gezwungen zu sehen.

    1. Danke für den Hinweis! Ich habe den Satz gelöscht.
      P.S.: Bei den bosnischen Pyramiden sollte doch zu klären sein, ob das Deckgestein ein hergestellter Beton oder ein natürliches Konglomerat ist. Wenn es physikalisch-chemisch nicht eindeutig ist, dann doch über den Verlauf der Schichtung auf den verschiedenen Seiten des Pyramidenberges.

  2. zu (7) Olivin gilt als Hauptbestandteil des oberen Erdmantels. Das ist jener Bereich flüssigen Gesteins zwischen Erdkern und Erdkruste, auf dem die Kontinentalplatten schwimmen.

  3. Nach meiner Kenntnis gibt es nur 2 Frequenzbereiche in denen elektromagnetische Wellen kosmischen Ursprungs die Atmosphäre durchdringen und Erdoberfläche erreichen können:

    (a) sehr niedrige Frequenzen (sogenannte Radiowellen) bis zu den niedrigen UKW-Frequenzen
    (b) sichtbares Licht

    Für beide Frequenzbereiche ist der Erdkörper undurchdringlich. Als Energiequelle für geologische Prozesse kommen sie nicht in Frage.

  4. Erdöl mag sickern und diffundieren, Kohleflöze tun dies sicher nicht. Die Kohle muss sich aus vorhandenen Stoffen an der Stelle gebildet haben, wo wir sie heute finden.

    Alle Kohlelagerstätten zeigen einen mehrschichtigen Wechsel von Flöz und Sediment. Das gibt Kunde davon, dass Kohle nicht nur einmalig auf der Erde entstanden ist. Niemand behauptet, dass Kohle ausschließlich im Carbon entstanden sei. Vielmehr wurden die ersten Funde carbonzeitlicher Fossilien in Kohleflözen gemacht (und das gab der erdgeschichtlichen Epoche den Namen ).

    Kohleflöze hohen Alters (bis ins Erdmittelalter) enthalten die dunklere und festere Steinkohle. Jüngere Flöze: Braunkohle. Das hat damit zu tun, wie weit der Verkohlungsprozess fortschreiten konnte.

  5. zu (5) „Aus Kohleflözen diffundiert oft Methan. Müsste das nach Jahrmillionen nicht schon ausgegast sein?“

    Wo Wasserstoff und Kohlenstoff vorhanden sind (das sollte überall dort der Fall sein, wo Kohle oder Öl lagern), kann Methan entstehen. Es diffundiert in das umliegende Gestein, bis auch dieses gesättigt ist. Sticht man einen solchen Bereich an (Bohrung oder Bergbau), dann kann es ausgasen (schlagende Wetter). Solange das Deckgebirge einigermaßen unbeschädigt ist und Methan weiterhin entstehen kann, besteht kein Grund, dass die Methankonzentration vor Ort absinkt.

  6. Der chemische Nachweis von Spuren von Methan und/oder Öl in Granit ist wenig aussagekräftig.

    Kein natürlich vorkommendes Mineral ist so lupenrein wie dies im Labor machbar wäre.

    Man kann auch Gold im Meerwasser nachweisen – trotzdem wird niemand versuchen, Gold aus Meerwasser zu gewinnen.

  7. zu (10) „Anorganisch lässt sich Erdöl unter Drücken herstellen, die im Sockelgestein vorliegen. Die Umwandlung von organischen Material mit Drücken, die in Sedimentgesteinen vorliegen, ist noch nicht gelungen.“

    Das Handwerk des Köhlers bezeugt, dass man weder derartige Drücke, noch die Temperaturen braucht.

  8. Abschließend:
    Niemand bezweifelt, dass Öl und Kohle in Spuren auch anorganisch entstehen können. Eine anorganische Theorie wird aber nicht erklären können, wie sich etwa Kohle in Flözen mit nur geringen Verunreinigungen anreichert.

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