Begriffe: Ressourcen & Reserven

Traue nur dem Begriff, den Du selbst gefälscht hast … Kläre die jeweilige Bedeutung der Begriffe „Ressource“ und „Reserve“, wenn Du etwas zu dem Thema liest.

Welche Aussagekraft haben die Daten, die unter den Begriffen „Ölressource“ oder „Ölreserve“ veröffentlich werden? In diesem Beitrag untersuchen wir die Definitionen von verschiedenen Institutionen und vergleichen diese mit dem Wünschenswerten.


 

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Die BGR veröffentlicht Energiestudien, in denen naturgemäß auch von Ressourcen und Reserven die Rede ist, beispielsweise die Energiestudie 2011. Die Bedeutung dieser Begriffe erläutern sie im Glossar.

Ressourcen: „nachgewiesene, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbare sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch mögliche, künftig gewinnbare Energierohstoffmengen“

Da stellen sich Fragen: Was heißt „nachgewiesen“? Wie wird „geologisch möglich, künftig gewinnbar“ erfasst? Je nachdem, wie diese Begriffe ausgestaltet werden, können da sehr unterschiedliche Mengen zu Stande kommen.
Was heißt „technisch derzeit nicht gewinnbar“? Sind sie künftig gewinnbar? Wenn das nicht klar ist, dann hilft uns der Ressourcenbegriff bei der Abschätzung der künftigen Fördermengen nicht weiter.

Reserven: „nachgewiesene, zu heutigen Preisen und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewinnbare Energierohstoffmengen“

ursprüngliche Reserven: „kumulierte Förderung plus verbleibende Reserven“

Reserven geben also an, wieviel Öl wir zu den heute geltenden Bedingungen fördern können. Aber ist das die Frage, um die es geht? Geht es nicht darum, abzuschätzen wie es weitergeht, wenn das Öl eben nicht mehr so fließt wie heute? Dieser Begriff hilft also nur bei der Prognose der unmittelbaren Zukunft.

 

BP

BP erläutert seine Reservestatistik auf der „Definitions and explanatory notes„-Seite wie folgt:

Reserves

Generally taken to be those quantities that geological and engineering information indicates with reasonable certainty can be recovered in the future from known reservoirs under existing conditions.

The oil reserves estimates have been compiled using a combination of primary official sources, third-party data from the OPEC Secretariat, World Oil, Oil & Oil & Gas Journal and an independent estimate of Russian and Chinese reserves based on information in the public domain. Canadian oil sands ‚under active development‘ are an official estimate. Venezuelan Orinoco Belt reserves are based on the OPEC Secretariat and government announcements.

The data series for proved oil in this years Review does not necessarily meet the definitions, guidelines and practices used for determining proved reserves at company level, for instance, under accounting rules contained in the Statement of Recommended Practice.

Die grundsätzliche Definition entspricht der Definition der BGR und ist genauso nur sehr eingeschränkt verwendbar. Statt von „nachgewiesen“ heißt es „reasonable certainty“ – was ebenfalls zu spezifizieren ist, um die Daten interpretieren zu können.

Im zweiten Absatz gibt es eine Reihe von Hinweisen auf die Datenquellen, bei denen dann weiter recherchiert werden kann. Ob die unterschiedlichen Quellen wohl die gleiche Erhebungsmethode zur Ermittlung ihrer Reserven verwenden? Gibt es soetwas wie eine weltweiten Standard?

Der dritte Absatz enthält einen Hinweis darauf, dass es unterschiedliche Bewertungsvorschriften der von BP verwendeten Quellen und den Bewertungsvorschriften für Unternehmen gibt, ohne diese näher auszuführen.

 

Energy Information Administration (EIA)

Die EIA stellt eine ganze Reihe von Daten zum Download zur Verfügung, darunter auch Daten zu den Reserven. Zur Definition und Erfassungsmethode der Daten schreibt sie auf der Seite „Notes“ unter dem Eintrag „Petroleum / Reserves“:

Reserve estimates for crude oil are very difficult to develop. As a convenience to the public, EIA makes available these crude oil reserve estimates from other sources, but it does not certify these data. Please carefully note the sources of the data when using and citing estimates of crude oil reserves.“

Mit dieser Aussage legen sie immerhin keinen weiteren Schleier über die Daten. Aussagekräftiger werden sie dadurch allerdings auch nicht. Sie gibt noch die Datenquellen an: „Data for the United States are from the U.S. Energy Information Administration, and are as of December 31 of the prior year. Data for other countries are from the Oil & Gas Journal.“ Die U.S.-Daten bezieht sie also von sich selbst. Da müsste sie doch mehr zu sagen?! Ob in dem Journal wohl genauere Hinweise stehen? Das wäre zu recherchieren.

 

Society of Petroleum Engineers (SPE)

Seit 1997 wird von mehreren Verbänden der Ölindustrie eine Leitlinie zur Klassifikation von Ölressourcen entwickelt und verbreitet (Wiki: Oil-reserves), das sogenannte PRMS-System (Petroleum Ressource Management System). Die Grundstruktur der Klassifikation wird durch die folgende Abbildung dargestellt:

ressources-classification-frameworkQuelle: SPE 2007, S. 4.

Es werden zunächst die entdeckten und die unentdeckten Ölressourcen unterschieden. Die entdeckten sind entweder kommerziell genutzt, nicht-kommerziell genutzt oder nicht-förderbar. Um die Größe der Reserven in den genutzten Feldern zu beschreiben, wird zwischen proved (1P), probable (2P) und possible (3P) unterschieden. 1P steht für die Menge, die mit 90% Wahrscheinlichkeit gefördert werden kann, 2P für die Menge, die mit 50%iger Wahrscheinlichkeit und 3P für die Menge, die mit 10% Wahrscheinlichkeit gefördert werden kann.

Diese Angabe mehrerer Schätzwahrscheinlichkeiten geht in die richtige Richtung, nur wird bei den noch nicht kommerziell genutzten Feldern nicht nach technischen und ökonomischen Größen unterschieden. Die Frage, wieviel Öl beispielsweise bei einem Ölpreis von 150$/Barrel gefördert werden kann, lässt sich mit Daten, die nach dieser Klassifikation erhoben werden, nicht beantworten.
 

Der 1P-Standard – ein Schelm
Die Security and Exchange Commission (SEC) schreibt wohl vor, dass die börsennotierten Unternehmen ihre Ölfelder nach der 1P-Kategorie melden. Sie melden also eine Ölmenge, die mit 90%iger Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Das heißt aber auch, dass sich im Laufe der Zeit in der Mehrzahl der Fälle herausstellen wird, dass die Ölfelder größer sind. Die Reserven der Unternehmen steigen! (vgl. Blog: theoildrum, Rembrandt)

 

Weitere Klassifikationen

Es muss noch ein USGS-System (United States Geological Service) geben, das zum Beispiel die Kategorie known oil verwendet.

 

Wie gut ist die Operationalisierung der Begriffe?

Wenn es darum geht, Daten für die Prognose der Ölförderung zu erheben, dann ist nicht nur das begriffliche Konzept wichtig, sondern auch die Operationalisierung der Begriffe. Wie soll ein Ölgeologe festlegen, wie groß die 1P-Menge eines Ölfeldes ist? Wie es um die Operationalisierung bestellt ist, entzieht sich unserer Kenntnis, sind aber auf zwei Hinweise gestoßen. Es handelt sich um zwei pdf-Dokumente der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC). Im ersten wird dargelegt, dass in der Praxis „reasonably certain“ sehr unterschiedlich ausgelegt wird. Im zweiten ist zu sehen, dass die SEC an der Operationalisierung arbeitet.

 

Fazit

Daten, die mit den Begriffen Ölressource und Ölreserve erhoben werden, sind für prognostische Zwecke dem Begriffsinhalt nach allenfalls für die Prognose der nahen Zukunft brauchbar. Sie sind irreführend belegt. Weitere Unsicherheiten kommen durch die tatsächliche Erhebungsweise hinzu.

 

 

Follow by Email
RSS
SOCIALICON
SOCIALICON

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.