Die Limits to Growth-Studie: Einbrüche in den 90igern vorhergesagt??

Plädoyer für korrekte Wiedergabe von Schriftstücken

 
Die Welt titelt im Juni 2013
CLUB OF ROME: Die verheerende Mär von der Öko-Apokalypse.
Grober Unfug. Oder haben wir da was übersehen? Schau Dir die folgende Grafik an. Sie stammt aus einem Szenarienupdate der Studie von Graham Turner (2008).

Quelle: Graham Turner (2008): S. 45.
Quelle: Graham Turner (2008): S. 45.

Es ist zu erkennen, dass die Peaks, Mengenexplosionen und Einbrüche der Studie um 2015 erscheinen.

1+1: Die Qualität der Studie kann nicht aus dem Grund als niedrig bewertet werden, weil sie Zusammenbrüche bis 2015 prognostiziert hätte.

Der Text in der Welt behauptet, dass die Limits to Growth Studie bei einer ganzen Reihe von wichtigen Rohstoffen eine Erschöpfung bis 2010 vorausgesagt hat. Das passt aber nicht zu den Verläufen in der Abbildung. Die Szenarien hätten dann eher Einbrüche voraussagen müssen. Wie kommt das? Also nachschlagen. Zunächst fehlt eine Quellenangabe in dem Artikel der Welt. Also googeln. Ich finde ein pdf der LTG Studie. Im Inhaltverzeichnis entdecke ich als einzigen Rohstoff Chrom. Beim Durchscrollen werde ich auf Seite 55ff fündig. Dort werden „vital raw materials“ gelistet. Aus den angegebenen Tabellen ergibt sich eine prognostizierte Erschöpfung vieler Rohstoffe bei damals bekannten Vorkommen und exponentiellem Verbrauchsverlauf vor 2010. Auf diese Stelle wird sich der Text der Welt beziehen. Warum brechen dann die Szenarien nicht vorher ein? Die Antwort findet sich etwas versteckt bei den Auswertungen S. 126: Die Autoren haben vermutet, dass sie mit den Schätzungen zu pessimistisch liegen und haben für die Szenarien optimistische Neufunde einkalkuliert. Sie haben auch eine Sensitivitätsanalyse durchgeführt und ein Szenario berechnet, bei dem es doppelt so viele Ressourcen gibt. An den Verläufen ändert sich nicht viel, außer dass die Verschmutzung extremer wird.

 

Was uns bei solchen Widersprüchen die Haare zu berge stehen lässt: Die Informationslage ist eh schon unübersichtlich. Die vorhandenen Daten über die Ölvorkommen sind schwammig. An öffentliche Probebohrungen, um die abiotische Öltheorie zu klären, ist gegenwärtig (2015) nicht zu denken. Zu den Potentialen diverser alternativer Energiequellen sind ständig neue Einschätzungen zu lesen. Eine Sache können wir wissen: Was andere Menschen geschrieben haben. Die Klarheit können wir uns gönnen, oder?

 

Literatur

Grahmam Turner (2008): A Comparison of the Limits to Growth with 30 Years of Reality, CSIRO Working Paper Series, pdf.

 
 

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